Unternehmen schöpfen das Potenzial ihrer hybriden IT-Umgebungen nicht aus

am 23. Januar 2018
Mit einer groß angelegten Untersuchung ist Fujitsu der Frage nachgegangen, was IT- und Business-Verantwortliche unter dem Begriff „Orchestrierung“ verstehen und was sie davon erwarten. Trotz einer erheblichen definitorischen Unschärfe zeigt sich, dass die Befragten durchaus klare Vorstellungen davon haben, was sie mit der „Orchestrierung“ ihrer hybriden IT-Umgebungen erreichen wollen.

Unter Analysten, Marktbeobachtern und IT-Experten ist weitgehend unumstritten, dass in immer mehr Unternehmen hybride IT-Landschaften entstehen. Die IT-Verantwortlichen stehen deshalb vor der Aufgabe, die lokale IT-Infrastruktur mit Services aus der Public und Private Cloud möglichst nahtlos zu verknüpfen. Nach den Ergebnissen des Fujitsu Marktberichts "The state of orchestration 2017" bleiben die Anwender jedoch noch weit hinter den Möglichkeiten zurück: "Die wenigsten richten ihr Augenmerk auf die Orchestrierung ihrer Cloud-Umgebungen und profitieren deshalb nicht in vollem Umfang von dem eigentlichen Potenzial ihrer hybriden Umgebungen", schreiben die Fujitsu-Experten.

Nach ihrer Definition geht es bei der Cloud-Orchestrierung um das unternehmensweite Management der Cloud-Services. Ziel ist es, von der technologischen Basis bis zum Service-Management, Governance und Kontrollfunktionen so zu implementieren, dass sie jederzeit an sich verändernde geschäftliche Anforderungen angepasst werden können.

Die Autoren des Berichts haben die sechs "Pfeiler" Service-Management, Security, Lieferanten-Management, Prozesse, Compliance und Technologie identifiziert, die mit einer unternehmensweiten Orchestrierung adressiert werden müssen. Diese umfassende Sicht der Dinge teilt die Mehrheit der Umfrageteilnehmer allerdings nicht. Auf die Frage, was sie am ehesten unter Cloud-Orchestrierung verstehen, nannten 20 Prozent "Service Management", jeweils ein Viertel "Automatisierung" und "Service-Integration und -Management". Für rund ein Drittel sind alle diese Bereiche mit dem Thema Orchestrierung verknüpft.

Unternehmen sehen klar die Notwendigkeit für neue Tools und Prozesse

Dabei zeigten sich teils erhebliche geografische Abweichungen: Während in Australien und England nur 14 Prozent die Cloud-Orchestrierung mit Automatisierung verbanden, waren es in Finnland 48 Prozent. "Insgesamt glauben fast drei Viertel der Befragten, dass es schwierig ist, eine klare Unterscheidung zwischen Orchestrierung und Service-Automatisierung zu treffen", schreiben die Autoren.

Etwas klarer sind indes die Ziele, die Anwender mit der Orchestrierung ihrer hybriden Umgebungen erreichen wollen. So erwarten 59 Prozent eine "verbesserte Transparenz und Kontrolle", 48 Prozent "verbesserte Governance", 46 Prozent eine "durchgängige User-Experience", 40 Prozent eine "langfristige Kosteneinsparungen" und 30 Prozent die "nahtlose Integration von Legacy-Umgebung".

Und was immer sie darunter verstehen - sei es Automatisierung, Verbesserungen beim Deployment, Konfigurations- oder Service-Management - die Unternehmen wissen, dass sie die wachsenden Anforderungen in hybriden Umgebungen mit den vorhandenen Mitteln nicht mehr bewältigen können. So glauben 93 Prozent der Befragten, dass es wichtig oder sehr wichtig ist, neue Tools und Prozesse einzusetzen, um ihre gewachsenen IT-Landschaften und Cloud-Umgebungen zu managen. Lediglich zwei Prozent sind der Meinung, dass die bisher verwendeten Management-Tools und Verfahren auch zukünftig ausreichen werden.

Unternehmen sind bereit für den nächsten Schritt in Richtung Orchestrierung

Insofern verwundert es nicht, dass die große Mehrheit der Unternehmen bereits in der einen oder anderen Form Cloud-Orchestrierung nutzt oder dies für die nahe Zukunft plant. So gaben 27 Prozent der Unternehmen an, dass sie bereits ausgiebig Gebrauch von Cloud-Orchestration-Services machen, 33 Prozent nutzen solche in Teilbereichen, 22 Prozent planen diese in den kommenden zwölf Monaten.

"In hybriden IT-Umgebungen wird die Orchestrierung zum Schlüssel, um den komplexen Mix aus Cloud und traditionellen IT-Infrastrukturen unter einen Hut zu bringen und wirklichen geschäftlichen Mehrwert zu erzielen - besonders im Hinblick auf die digitale Transformation der Unternehmen", schreiben die Autoren des Marktberichts. Dabei sei den Anwendern klar, welch gewaltige Herausforderungen hybride Infrastrukturen mit sich bringen. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) hat das Gefühl, dass das Management ihrer komplexen Cloud-Umgebungen sie überfordere. "Unsere Studie legt den Schluss nahe, dass die Unternehmen - auch wenn es noch einiger Vorbereitungen bedarf - bereit sind, den nächsten Schritt Richtung Orchestrierung zu gehen", resümieren die Experten von Fujitsu.

Der von Fujitsu vorgelegte Marktbericht wurde in Kooperation mit dem Storage-Anbieter NetApp, dem Chip-Hersteller Intel und dem Netzwerk-Spezialisten Brocade erstellt. Dafür wurden Anfang des Jahres 302 IT-Führungskräfte aus den Bereichen IT- und Cloud-Infrastruktur aus Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt. Die Unternehmen waren in Australien (50), England (51), Finnland (50), Spanien (50), den USA (51) und Deutschland (50) ansässig.