Neues Storage-Cluster ermöglicht 3-Schicht-Betrieb

am 27. Februar 2018
Auf dem Fujitsu Storage Day 2018 in München erläutert Crisp-Research-Analyst Carlo Velten, warum Infrastruktur cool ist. Eine These, die IT-Leiter Thomas Huttinger vom Backwarenhersteller Dr. Karg mit seinem Praxisbericht über die Modernisierung seines Unternehmens klar bestätigen kann.

Es kracht, es krümelt, es bröselt - und es schmeckt: Knäckebrot in Bio-Qualität ist die Spezialität des Familienunternehmens Dr. Karg aus Schwabach. Längst haben die eckigen Scheiben ihre Öko-Nische verlassen und stehen in den Regalen von Edeka, Rewe oder Real. Weltweit verkauft die vormalige "Fränkische Dorfbäckerei seit 1950" in 23 Länder. 2013 holte Firmenchef Dr. Klaus Karg mit Thomas Huttinger erstmals einen eigenen IT-Leiter ins Haus.

Huttinger begann sofort mit der Modernisierung. Er wollte acht alte Server ablösen. "Die IT ist bei uns produktionslastig", erklärt er auf dem Fujitsu Storage Day 2018 in München. Konkret: 2013 zeichnete sich das wachsende Interesse der Verbraucher an Dr. Kargs Knäckebroten ab, noch aber wurde im Regelschichtbetrieb oder maximal in zwei Schichten gearbeitet. Huttingers höchste Anforderung lautete daher: Flexibilität. Er schrieb aus und entschied sich für den Eternus DX 200 Storage Cluster.

Nach einer ersten Ausbaustufe im Jahr 2014 standen zwei Server mit zwei Switchen sowie zehn VMs bei Dr. Karg. Die Server können gegenseitig auf ihre Volumes zugreifen. Eine zweite Ausbaustufe 2016 steigerte den Umfang auf 20 VMs. Huttinger begann außerdem mit der Virtualisierung der Arbeitsplätze. "Da hatten wir dann schon einen dauerhaften Drei-Schicht-Betrieb", sagt er. Eine dritte Ausbaustufe im April 2017 stockte auf 25 Server VMs auf.

Mehr Sicherheit führt zu mehr Daten

Um diese technischen Daten herum ist viel passiert. So ließ Huttinger Kameras anbringen und sicherte den Zutritt in die Produktionshallen. Lebensmittel sind ein empfindliches Gut, die Verbraucher reagieren äußerst sensibel auf Vorfälle. Rückverfolgbarkeit lautete das Stichwort für den IT-Chef. "Geraten etwa Fremdstoffe in die Produkte, muss ich genau nachvollziehen und belegen können, welche Chargen betroffen sind", erklärt Huttinger. Mehr Sicherheit - und mehr Daten.

Wenn Dr. Kargs IT-Leiter heute aus dem Fenster blickt, sieht er eine große Baustelle. 2019 soll die neue Produktionshalle fertig sein. Auf seiner Agenda stehen aber auch Punkte wie Dokumentenarchivierung oder Desaster-Backup auf Bandlaufwerk.

Seine Entscheidung für Fujitsu erklärt er mit fränkischer Bodenständigkeit: In der 41.000-Einwohner-Stadt kennt man sich - über die Straße sitzt das Systemhaus Nasdo, ein Fujitsu-Partner. "Die konnten als Einzige alle unsere Anforderungen erfüllen", sagt Huttinger. Durchaus selbstkritisch beschreibt er sich im Rückblick auf 2013 als Kunden, "der vielleicht gar nicht so genau wusste, was er wollte". Nasdo habe den Mut gehabt, sich darauf einzulassen - und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

"Infrastruktur ist cool"

Heute weiß Huttinger sehr genau, was er will: den Erfolg des Mittelständlers weiter ausbauen. Dr. Karg nimmt mit trendigen Lifestyle-Produkten sportlich Aktive ins Visier. Chia, Cranberry, Quinoa, vegane Snacks - kein Kundenwunsch soll offenbleiben.

Huttinger versteht die Produkte, und er versteht den Markt. "Der IT-Leiter ist bei Dr. Karg nicht nur für die Server verantwortlich", beschreibt er sein Selbstverständnis. Er pflegt einen engen Draht zur Geschäftsleitung, und er ist mit Produktionsprozessen ebenso vertraut wie mit dem ERP- und CRM-System.

Damit entspricht er ziemlich genau dem Idealbild eines Infrastruktur-Managers, das Carlo Velten zeichnet. Der Analyst (Crisp Research) erläutert auf dem Storage Day, warum Infrastruktur "cool" ist. Der Markt für Flash verzeichnet ein YoY-Wachstum (Year-over-Year) von zirka 30 Prozent, weiß Velten. "Der Performance-Peak ist noch nicht in Sicht", fügt er an.

These des Analysten: Flash verändert, wie die Storage-Abteilung in einem Unternehmen wahrgenommen wird. Weil der Sprung in der Performance für jeden sichtbar ist.

Chief Data Officer statt Chief Digital Officer

Der Analyst prognostiziert: "In fünf Jahren sind 70 Prozent des Enterprise Storage Flash. Hybrid Storage ist Realität!" Velten stellt außerdem eine These über die künftige Rolle des Infrastruktur-Managers auf. Zwar berichten derzeit immer mehr IT-Chefs an einen Chief Digital Officer. Doch der Analyst hält diese Funktion für temporär. "In fünf Jahren wird es keinen Chief Digital Officer mehr geben", sagt er und fügt an: "Falls doch, dann nicht mehr wie jetzt als Change Manager und Evangelist, sondern mit operativer Geschäftsverantwortung."

Eine Position, die es in fünf Jahren öfter geben wird, das ist die des Chief Data Officer. In stark regulierten Branchen könnte ein Jurist diese Rolle übernehmen, in anderen ein Informatiker. Und Velten nennt eben auch den Infrastruktur-Manager. Wer neben dem technischen Know-how über so viel Business-Verständnis wie Thomas Huttinger verfügt, der bringt sich für die machtvolle Position eines Chief Data Officer in Stellung.

Für Stefan Roth, Category Management Data Center Central Europe bei Fujitsu, ist der Fall Dr. Karg beispielhaft. "Wir stehen vor einem riesigen Berg aus Daten und Themen", sagte er mit Blick auf Storage-Management in immer komplexeren Umgebungen, und ein Foto der Alpen sorgte für das nötige Lokal-Kolorit in München. Doch mit dem Fit-Macher Knäckebrot ist auch dieser Berg zu bezwingen.