Mit der pinkhaarigen Jana auf Innovationskurs

am 30. November 2018
Wie können CIOs eine Innovationskultur im digitalen Zeitalter beeinflussen? Das erarbeiten rund 20 IT-Manager bei einem Workshop im Digital Transformation Center (DTC) von Fujitsu. Mittendrin: Peter König, IT-Leiter beim Kosmetikkonzern Dr. Grandel, und Frank Schröder, CIO des Maschinenbauers RENK AG.

Den vielzitierten Begriff Transformation in den Arbeitsalltag holen, Muster brechen, Dinge neu denken - das wollen die rund 20 IT-Manager, die sich an diesem Oktobernachmittag in München treffen. Robert Mayer, Senior Director IT Group EMEIA bei Fujitsu und Vorsitzender des CIO-Networks der IHK Schwaben, lädt ein. Unter dem Motto "Idea & Innovation Management für Produkte und Services" steht im Digital Transformation Center (DTC) von Fujitsu ein Co-Creation Workshop an.

Was neudeutsch klingt - Design-Thinking - bricht Larissa, 25 Jahre jung und Leiterin des Workshops, erstmal auf eine ganz handfeste Ebene herunter. Kurs-Sprache ist "das Business-Du", erklärt sie. Statt einer Vorstellungsrunde als Head of X und Vice President of Y soll jeder sagen, von welchem Beruf er als Kind geträumt hat. Zu Larissa, der verhinderten Elefantenpflegerin, gesellen sich fünf auf dem Boden gebliebene Astronauten, ein Fußballer, ein Lokführer und andere, die dann doch auf die IT-Schiene gerieten.

Festgefahren aber ist keiner von ihnen. Die Bedeutung und Notwendigkeit von Innovation haben sie verstanden. In vier Teams von fünf bis sechs Co-Kreierenden pro Tisch wollen sie Möglichkeiten finden, den abstrakten Begriff Innovation konkret ins Unternehmen zu holen. Dafür weist Larissa jedem Team eine Persona zu. Die Persona Jana wird zum Beispiel von Peter König, IT-Leiter beim Kosmetikkonzern Dr. Grandel, sowie Frank Schröder, CIO des Maschinenbauers RENK AG, und ihren drei Teamkollegen vertreten.

"Jana, duale Studentin, Auszubildende, Young Talent", liest einer am Tisch etwas ratlos vor. Erste Aufgabe: Janas Eigenschaften beschreiben und überlegen, was sie für ihre Arbeit braucht.

Was wollen Jana, Susi und Tim?

Nach kurzem Zögern addieren sich die Adjektive. Eine Digital Native ist Jana, da sind sich alle einig. Vernetzt ist sie, hochmotiviert, aber auch fordernd. Offen für neue Ideen, gleichzeitig unerfahren, weil jung. "Natürlich verlangt sie am Arbeitsplatz nach der neuesten Technik", mutmaßt die Runde. Klar ist auch: "Mit starren Arbeitszeiten von neun bis fünf kann man der nicht kommen!" Larissa gibt vor, dass sich das Team auf zwei Eigenschaften konzentriert. Und so erklärt die Gruppe: Jana ist vernetzt - und vorlaut. "Jana sagt eben ihre Meinung!" kontert die Jüngste am Tisch.

Rund viereinhalb Stunden lang setzt sich das Co-Creation-Team mit Jana und den anderen Personas, etwa der Produkt-Managerin Susi und dem Vertriebler Tim, auseinander. Über verschiedene Aufgaben, deren Lösungen jeweils vor der gesamten Gruppe präsentiert werden, tastet sich jedes Team Schritt für Schritt an ein Konzept heran, das eigene Unternehmen innovativer zu machen.

Zur Pause nach rund zwei Stunden haben Peter, Frank und ihre Mitstreiter Jana schon ganz gut kennengelernt. "Sie wird etwa 21 sein", überlegen sie. Wie sie wohl aussieht? "Wahrscheinlich hat sie pinke Haare!" Und schon hat das Team eine Idee für den Namen, den es sich geben soll: "Pink wins!"

"Wir dürfen den Kunden nicht aus den Augen verlieren"

Als Hilfsmittel des Co-Creation Programms stehen bestimmte Tools wie beispielsweise große interaktive Boards sowie Inspiration Cards zur Verfügung, die als Bestandteil des Fujitsu Human Centric Experience die kreative Phase des Workshops unterstützen. Bei dem Konzept, das bis Ende des Nachmittags entstehen soll, lässt Larissa den Gruppen freie Hand. Ob visionär oder detailliert auf einzelne Tools heruntergebrochen, das entscheiden die Teams selbst. Am Tisch von Peter und Frank ist jedenfalls klar: Das Konzept wird auf zwei Säulen basieren, nämlich Technologie und Kultur. "Wir dürfen den Kunden nicht aus den Augen verlieren", mahnt Peter. "Jede Innovation soll ja letztlich dem Kunden zugutekommen!"

Das Team Pink mit Peter König (ganz links), IT-Leiter beim Kosmetikkonzern Dr. Grandel, sowie Frank Schröder (2.v.l.), CIO des Maschinenbauers RENK AG, erarbeiten ihr Konzept.
Das Team Pink mit Peter König (ganz links), IT-Leiter beim Kosmetikkonzern Dr. Grandel, sowie Frank Schröder (2.v.l.), CIO des Maschinenbauers RENK AG, erarbeiten ihr Konzept.
Foto: Fujitsu Deutschland

Das Konzept füllt einen großen Papierbogen. Die Pfeile zwischen den einzelnen Symbolen stehen für Vernetzung, Mobilität und Flexibilität und zeigen die Wechselwirkungen auf. Bei der Präsentation der Konzepte werden sehr unterschiedliche Vorgehensweisen deutlich. So legt eine Gruppe einen konkreten Plan vor. "Wir werden mit agilen Methoden arbeiten und vier Sprints brauchen. Die Fertigstellung ist also im zweiten Halbjahr 2019", schmettert der Spokesman der Gruppe in den Raum. Alle Teilnehmer sind beeindruckt. Bei einem anderen Tisch sieht das Papier so aus: in der Mitte eine Blume, wie von einem Kind gekritzelt, links davon eine Sonne ("Ideen"), rechts eine Regenwolke ("Feedback/Kritik").

Bewertung nach Geld und Gefühl

Bei der abschließenden Bewertung durch alle Teilnehmer geht es um zwei Metriken: Yen-Symbole für die Business-Seite und Herz-Symbole für die gewinnende Darstellung der Lösung. Schließlich geht im täglichen Geschäft, bei dem man auf finanzielle Ergebnisse getrimmt ist, manchmal unter, dass der Weg "übers Herz" vielleicht leichter zum Ergebnis führt. Das Team mit den vier Sprints und dem Fertigstellungstermin erhält die meisten Yen-Zeichen - und die wenigsten Herzchen. Bei dem Team mit dem Blümchen ist es genau umgekehrt. "Super! Mit dem einen Konzept überzeugt man die Aktionäre, mit dem anderen die Mitarbeiter!", ruft irgendjemand im Raum - Lachen und Beifall branden auf.

Larissa ordnet die Herzen zu: Je mehr Herzen eine Gruppe gewinnen konnten, desto gewinnender war die Darstellung ihres Konzeptes.
Larissa ordnet die Herzen zu: Je mehr Herzen eine Gruppe gewinnen konnten, desto gewinnender war die Darstellung ihres Konzeptes.
Foto: Fujitsu Deutschland

Gegen halb sechs am Abend wechseln Peter und Frank aus der Persona Jana wieder in die Rolle der Führungskräfte Peter König und Frank Schröder. Nach einem inspirierenden Tag ziehen sie das Fazit.

Sieger nach Yen-Zeichen: Das Konzept "Digitale Ideen & Innovationsmanagement" überzeugte auf der Business-Seite.
Sieger nach Yen-Zeichen: Das Konzept "Digitale Ideen & Innovationsmanagement" überzeugte auf der Business-Seite.
Foto: Fujitsu Deutschland

Zwar nehme er keine konkreten Handlungsanweisungen, dafür aber Ideen für neue Ansätze mit, sagt König. Zum einen will sein Unternehmen die Präsentationstoolsund -medien zur Qualifizierung der Kosmetikerinnen erneuern, zum anderen arbeitet er am Aufbau eines internen Wissens-Managements. Für beides habe er wichtige Anregungen bekommen. Schröder, ohnehin ein begeisterter Lerner ("Wir leben von der Re-Kombination von Erfahrungen"), formuliert den größten Pluspunkt so: "Normalerweise betrachten wir in der IT den User ja immer als Abstraktum. Über die Methode der Personas lernen wir ihn kennen!"

Als Andenken bekommt jeder Teilnehmer ein sogenanntes Daruma mit, einen Puppenkopf aus Japan. Auf ihren Hinterkopf schreibt jeder sein Ziel und malt eines der beiden leeren Augen aus. Man platziert das Daruma in Sichtweite, etwa auf dem Schreibtisch. Ist das Ziel erfüllt, malt man auch das zweite Auge aus. Das erleichtert es jedem, sein Ziel im Auge behalten.

Hier mehr Infos zum Thema bekommen