Mehr Kontrolle mit dem Cloud Center of Excellence

am 13. Mai 2019
Multi-Clouds können die IT-Landschaften vieler Unternehmen direkt ins Chaos führen. Cloud-Expertin Carla Arend von IDC hat auf den Hamburger IT-Strategietagen Auswege aus dem Dilemma aufgezeigt.

Die Multi Cloud - die Nutzung von Cloud-Diensten mehrerer Provider - wird zunehmend zum Standard. "Gespräche, die ich mit CIOs geführt habe, zeigen, dass viele Unternehmen in naher Zukunft mindestens zwei bis drei Cloud-Plattformen im Einsatz haben werden - und Großunternehmen sogar vier bis fünf", sagt Carla Arend, Senior Program Director Cloud Research Europe bei IDC.

Studien zeigen in die gleiche Richtung. Laut einer IDC-Umfrage nutzen im Moment 23 Prozent der deutschen Unternehmen zwei Cloud-Plattformen und 10 Prozent drei oder mehr. Bis 2020 sollen, so IDC, 90 Prozent der europäischen Unternehmen mehrere Cloud-Dienste und -Plattformen einsetzen.

Der Trend zu Multi-Clouds hat gute Gründe. Ein Treiber ist die Innovationskraft. Mit Multi-Clouds können Unternehmen immer auf die neuesten Innovationen der Cloud-Ökosysteme zugreifen. Anders als die Anwenderunternehmen selbst sind Cloud-Provider schon aus Wettbewerbsgründen gezwungen, stets die aktuellsten Technologien anzubieten. Und da hat mal der eine, mal der andere Provider die Nase vorn.

Auch die Vielfalt der Anwendungslandschaft lässt sich mit Multi-Clouds besser beherrschen. "Gerade wenn Sie Legacy-Systeme in die Cloud verschieben wollen brauchen Sie manchmal bestimmte Cloud-Plattformen mit bestimmten Merkmalen", sagt Carla Arend. Ähnliches gilt für die internen Fachbereiche oder die Software Entwicklung. Um Anwendungen optimal entwickeln zu können werden oft zwei oder drei verschiedene Cloud-Plattformen benötigt.

Und nicht zuletzt geht der Trend dahin, auch Kern-IT-Anwendungen wie SAP-Systeme zu modernisieren und in die Cloud zu verschieben - was meist wieder eine oder mehrere extra Cloud-Plattformen erfordert.

Vielfalt führt zu Chaos

Multi-Clouds machen die IT allerdings auch komplexer - und haben vielfach chaotische Verhältnisse zur Folge. Nur etwa 40 Prozent der Multi-Cloud-User haben laut der eingangs erwähnten IDC-Studie Mechanismen eingeführt, um adäquat mit Multi-Cloud-Umgebungen zu operieren. Der Rest versucht das Cloud-Wirrwarr ad hoc in den Griff zu bekommen.

Besonders hart trifft es Unternehmen, die Multi-Clouds ursprünglich gar nicht geplant haben. "Oft haben Fachbereiche einfach unkoordiniert Cloud-Services eingekauft", sagt IDC-Expertin Arend. "Weil verschiedene Unternehmensmitarbeiter Cloud-Dienste geordert haben bevor es überhaupt eine Cloud-Strategie gab, sind chaotische Zustände entstanden."

Dieses Cloud-Chaos hat eine ganze Reihe von Problemen zur Folge: Mangelnde Sicherheit und aufwändiges Management sind die größten Handicaps, die es bei Multi-Clouds zu bewältigen gilt. Kosten-, User- und Datenmanagement etwa werden mit vielen verschiedenen Diensten immer schwieriger. Service Level lassen sich über die verschiedenen Cloud-Anbieter hinweg kaum mehr abbilden. Und ganz allgemein kann die Sicherheit kaum mehr gewährleistet werden.

Cloud-Wildwuchs im Griff

Wie kommt man von diesem Multi-Cloud-Chaos wieder zurück zur Multi-Cloud-Kontrolle? "Ein aktuell immer öfter genutzter Ansatz ist die Einführung eines Cloud Center of Excellence (CCoE) und die Definition eines Cloud Operating Models," erklärt Arend. Das CCoE widmet sich allen Belangen rund um die Cloud, bündelt die Cloud-Kompetenzen im Unternehmen und baut ein internes Advisory Board auf.

Das Advisory Board berät die Fachbereiche im Unternehmen, wenn sie in die Cloud gehen möchten und stellt sicher, dass sich alle Cloud-Anwender an die Regeln halten. Das Beraterteam sollte alle relevanten Stakeholder umfassen - den Einkauf, die Software-Entwicklung, IT-Operations, Security, die Fachabteilungen und auch die juristische Seite.

Eine zentrale Aufgabe des CCoE ist die Festlegung des Cloud Operating Models. Im Rahmen dieses Modells sorgt das CCoE dafür, dass die Cloud-Strategie die Geschäftsstrategie optimal unterstützt. Es macht sich ganz grundsätzlich Gedanken, was die richtige Cloud-Architektur für das Unternehmen ist und standardisiert Datenmodelle, Technologien, und Prozesse. Es definiert Data Governance und Security-Richtlinien und bestimmt beispielsweise, welche Daten in die Cloud verschoben werden dürfen und welche Cloud Services überhaupt zum Einsatz kommen.

Multi-Clouds managen

Das CCoE Team setzt also einen Rahmen, welche Cloud-Services warum benutzt werden, welche Entscheidungskriterien relevant sind und wie die Kosten kontrolliert werden. Daneben sollte sich das CCoE aber auch um ganz praktische Dinge kümmern: "Ein wichtiger Faktor ist beispielsweise die Förderung von Diskussionen um die Möglichkeiten und Risiken in der Cloud. Es sollte den einzelnen Fachbereichen aufzeigen, was mit Cloud-Services alles machbar ist und so die Cloud-Nutzung weiter fördern", sagt Carla Arend.

Für das Problem des aufwändigen Managements der vielen Cloud-Plattformen stehen zwei Optionen zur Verfügung: Entweder das Unternehmen nutzt Managed Cloud Services und übergibt die Komplexitätsbewältigung dem Service-Provider. Oder das Unternehmen verwaltet die Cloud-Dienste selbst mit dafür ausgelegten Cloud Management Technologien. "Hier gibt es eine Unzahl von Startups und etablierten Anbietern, die schon seit vielen Jahren im IT-Management unterwegs sind und jetzt auch Cloud Management anbieten."

Welches Vorgehen sinnvoller ist hängt vom Know-how, den personellen Ressourcen und der Unternehmensphilosophie ab. "Manche Unternehmen möchten das Cloud-Management auslagern, weil sie die Kompetenzen nicht haben," sagt Arend. "Andere wollen das Know-how lieber im Haus behalten und diese Technologien und Kompetenzen selbst aufbauen."