IoT und Big Data sind Basis für digitalen Erfolg

am 13. Dezember 2017
IoT- und Big-Data-Anwendungen werden in der Industrie zum Schlüssel, um Geschäftsprozesse zu optimieren und neue Geschäftsmodelle aufzusetzen. Die Mehrheit der verarbeitenden Unternehmen hat solche Technologien bereits im Einsatz oder plant diesen, wie aus einer aktuellen Studie von PAC hervorgeht.

Mit der Studie "IoT in der deutschen Fertigungsindustrie: Aufbruch in die digitale Transformation" haben die Analysten von PAC untersucht, wie produzierende Industrieunternehmen auf die Herausforderungen durch die digitale Transformation reagieren und in welchem Maße sie bereits auf Technologien wie IoT, Business Analytics, Cloud Computing und Big-Data-Anwendungen zurückgreifen. Das Ergebnis: Die meisten Unternehmen sind sich der Relevanz des Themas bewusst, aber nur rund ein Drittel verfügt bereits über einen festgelegten Fahrplan oder eine klare Digitalisierungsstrategie.

Dabei sind sich die Umfrageteilnehmer durchaus der eigenen Defizite bewusst. Die Studienautoren dokumentieren die Selbsteinschätzung vieler Befragter beispielhaft mit dem Kommentar "Die Digitalisierung ist bei uns deutlich weniger fortgeschritten, als sie sein sollte und könnte". Die Auswertung nach Größenklassen macht indes deutlich, dass die großen Unternehmen in allen Punkten weiter vorangeschritten sind als kleinere Firmen. Zudem zeigte sich, dass der Grad des Engagements bei der Digitalisierung auch stark vom jeweiligen Geschäftsmodell abhängt.

"Die grobe Richtung lautet: Effektivität verbessern"

Dennoch: Rund ein Drittel der Unternehmen hat bereits erfolgreich Digitalisierungsprojekte abgeschlossen, die große Mehrheit plant Investitionen in diesem Bereich. So wollen jeweils mehr als 60 Prozent der Studienteilnehmer in die IT-Sicherheit, die weitere Vernetzung des Maschinenparks, SCM-Anwendungen (Supply Chain Management), Automatisierung/Robotics, Sensorik/RFIDs und IoT-Plattformen investieren.

Dabei verstehen die Analysten unter dem Begriff "IoT-Plattform" neben der Erfassung von Daten auch die Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen (Big Data Analytics). "Datenauswertungen werden immer wichtiger, um die Produktion zu optimieren: Wo gibt es Probleme? Wo gibt es Optimierungsbedarf und -potenzial? Wie können wir Zeitverzögerungen früh entdecken und vermeiden? Die grobe Richtung der Digitalisierung lautet heute: Effektivität verbessern", sagt Hubertus Schopf, Head of Business Applications bei SAS Autosystemtechnik, den die PAC-Analysten für die Studie befragt haben.

Neben dem von Schopf beschriebenen Szenario des "Condition Monitoring" definieren die Analysten weitere Anwendungsgebiete für datenbasierte Dienstleistungen: Sowohl Remote Maintenance als auch Predictive Maintenance sollen dabei helfen, Betriebsunterbrechungen zu verhindern. Während Remote Maintenance darauf zielt, mit geplanten Fernzugriffen die Wartung von Maschinen zu verbessern, geht es beim Predictive Maintenance darum, die Wartung in Abhängigkeit vom Verschleiß und dem Zustand kritischer Bauteile so zu optimieren, so dass kritische Teile ausgetauscht werden können, bevor es zu Störfällen kommt.

Digitale Lösungen zur besseren Kundenbindung gewinnen an Bedeutung

Um diese Aufgabe zu erfüllen und das ideale Wartungsfenster zu finden, müssen große Mengen an Sensor- und Nutzungsdaten analysiert werden. Der bereits erreichte hohe Grad von modernen Wartungsdiensten und Condition Monitoring wird dadurch möglich, dass viele deutsche Fertigungsunternehmen schon Automatisierungslösungen und MES (Manufacturing Execution Systems) einsetzen. Fast zwei Drittel der Unternehmen planen einen Ausbau im Bereich des Predicitve Maintenance und benötigen deshalb vernetzte Maschinen und Anlagen, Sensoren, Analyse-Tools und daran angepasste Sicherheitseinrichtungen.

Auch auf der Kundenseite werden datenbasierte Anwendungen immer wichtiger: "Wir verzeichnen eine große Bereitschaft, in digitale Lösungen zur besseren Kundenbindung zu investieren", schreiben die PAC-Experten. Das beträfe etwa Analyse-Tools zur Datenauswertung, Community- und Support-Plattformen, Cloud-Applikationen wie etwa CRM, Community-Plattformen, Self-Service-Portale und mobile Apps sowie die Integration des Kunden-Front-end mit dem -Back-end. Allerdings spielen hier - wie auch beim Einsatz digitaler Technologien im Produktionsbereich - Sicherheitsaspekte eine herausragende Rolle.

Hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern

"Security-Lücken an der Kundenschnittstelle können die Reputation des Unternehmens schwer beschädigen oder sogar langwierige, teure Rechtsstreits nach sich ziehen", so die PAC-Analysten. Insofern sei der hohe Stellenwert von Sicherheitslösungen zum Schutz von Kundendaten nicht verwunderlich. Sowohl beim aktuellen Einsatz, als auch bei den geplanten Investitionen liegen Sicherheitslösungen an erster Stelle. 83 Prozent haben solche Lösungen bereits im Einsatz, 75 Prozent wollen sie zukünftig auf- oder ausbauen.

Als gewichtigster Hemmschuh für den Einsatz von Digitalisierungstechnologien haben die Studienautoren den Mangel an Ressourcen und qualifizierten Mitarbeitern ausgemacht. Wohl auch deshalb verzeichnen sie eine große Bereitschaft der Anwender, auf die Unterstützung externer Dienstleister zurückzugreifen. Das gelte besonders, wenn es etwa um SAP-Modernisierungsprojekte oder Security-Lösungen gehe. Allerdings sinke die Bereitschaft merklich, wenn die Projekte stark mit dem Kerngeschäft verwoben sind: "Kreativarbeiten, bei denen es um die Digitalisierung unserer Produkte und Kernprozesse geht, machen wir selbst. Wir lagern nur Routinearbeiten an externe Dienstleister aus", zitieren die PAC-Analysten beispielhaft die Aussage eines Studienteilnehmers.

pac studie
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Einsatz von IoT-Technologien setzt einen Business-Case voraus

Insgesamt ziehen die Analysten ein durchaus positives Fazit: "Die Frage nach dem Status Quo in der Produktion zeigt, dass Produktionssteuerungen, SCM-Anwendungen und Automatisierung auf breiter Basis vorhanden sind." Es würden bereits viele Daten gesammelt und gespeichert, die Analyse der Daten hinke dem allerdings noch hinterher. Aber die ausgeprägten Investitionspläne in IoT-Plattformen deuteten darauf hin, dass die Unternehmen ihre Defizite erkannt hätten und die Kapazitäten für Datenanalyse zukünftig ausbauen würden.

Denn der Einsatz neuer Technologien sei für die Anwender kein Selbstzweck, sondern mache nur Sinn, wenn dadurch ein messbarer Wertbeitrag erzielt werden kann. Die eingesetzten Sensoren, Netze und Plattformen dienten dazu, Daten zu sammeln, zu transportieren, zu analysieren, zu visualisieren oder sogar, um automatische Prozesse anzustoßen. "Basierend auf diesen Mechanismen lassen sich neue Geschäftsprozesse, Services oder sogar neue Geschäftsmodelle entwerfen und betreiben", resümieren die PAC-Analysten.

Im Auftrag von Fujitsu hat PAC für die Studie im ersten Quartal 2017 insgesamt 162 Interviews geführt, 56 Prozent davon mit Verantwortlichen aus Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern. 66 Prozent der Befragten arbeiteten in der diskreten Fertigung, 34 Prozent in der Prozessindustrie. Die Befragung richtete sich sowohl an Entscheider aus der IT als auch aus den relevanten Fachbereichen. Dabei ging es ausschließlich um branchenspezifische IT-Installationen (oder auch IoT-Installationen); branchenneutrale Funktionen etwa im HR-Bereich oder in der Finanzbuchhaltung waren nicht Gegenstand der Erhebung.