Anhaltendes Datenwachstum erfordert neue Storage-Ansätze

am 13. Januar 2020
Wie wird sich der Storage-Markt im neuen Jahr entwickeln? Was wird wichtig, welche Technologien werden dominieren? Wir haben die Top Storage-Trends für 2020 zusammengestellt.

2019 war für Storage-Hersteller ein Jahr mit Aufs und Abs. Laut IDC gaben Unternehmen in der ersten Jahreshälfte weniger für Speicher aus als im Vorjahr - während im dritten Quartal die weltweiten Ausgaben für Storage-Systeme leicht zugelegt haben. Die Erklärung der Marktforscher: Die wirtschaftliche und politische Unsicherheit veranlasste viele IT-Manager 2019 bei Einkäufen vorsichtig zu sein.

Gartner prognostiziert für 2020 höhere IT-Ausgaben als im Vorjahr. Davon wird auch der Storage-Markt profitieren.
Gartner prognostiziert für 2020 höhere IT-Ausgaben als im Vorjahr. Davon wird auch der Storage-Markt profitieren.
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Viele Analysten und Marktforscher glauben, dass sich dies im Jahr 2020 ändern könnte. Sie erwarten, dass das Wachstum der IT-Ausgaben im Jahr 2020 insgesamt zunehmen wird. Gartner prognostiziert für dieses Jahr ein Wachstum der IT-Ausgaben um 3,7 Prozent, nach nur 0,4 Prozent im laufenden Jahr. Davon wird sicher auch der Storage-Markt profitieren.

Forrester geht davon aus, dass 2020 ein Schlüsseljahr für die Datenstrategie sein wird. Dies wird zu einem deutlichen Anstieg der Ausgaben für Datenspeicher und Datenmanagement führen. Hinzu kommt: Unternehmen, die mehr in die Cloud drängen und Edge Computing nutzen möchte, sehen sich einer neuen Realität gegenüber. Sie müssen ihr Budget für die Datenstrategie verdoppeln oder verdreifachen, um die Konkurrenz zu überholen, heißt es in den Forrester Predictions 2020.

SSDs, All-Flash und NVMe

All-Flash-Speicher wird auch 2020 die zentrale Speichertechnologie bleiben und die Storage-Umgebungen weiter dominieren. Allerdings wird Flash neue Segmente erobern - und zum Beispiel auch zu einem Medium für Backups werden. Flash-basierte Datensicherungen punkten insbesondere mit der Möglichkeit einer schnellen Wiederherstellung. Zunehmend werden Backup-Daten aber auch für Analytics verwendet und sind daher auf ein performanteres Medium als Bandspeicher oder HDDs angewiesen.

Entsprechend ist auch für 2020 zu erwarten, dass sich der Trend zu All-Flash fortsetzt. Allerdings erwarten Analysten, dass sich das Wachstumstempo verlangsamt, da viele Unternehmen ihre Altsysteme bereits auf SSDs aufgerüstet haben.

Die Preise für SSD-Speicher werden 2020 weiter fallen - wozu nicht zuletzt effizientere Fertigungstechnologien beitragen. So haben verschiedene Hersteller mit der Produktion von 128-Layer-4D-NAND-Flash begonnen; das dürfte die Kosten für SSDs und Flash-Arrays mit hoher Kapazität weiter nach unten drücken.

In Bedrängnis bringen dürfte den herkömmlichen SSD-Speichermarkt NVMe (Non-volatile Memory Express). Seit der Veröffentlichung der ersten Version im Jahr 2011 hat sich die Technologie weiterentwickelt und bietet nun neue Leistungsvorteile, indem neue Netzwerktechnologien wie RDMA (Remote Direct Memory Access) genutzt werden. Diese übertreffen die Benchmarks traditioneller SAS-SSDs bei weitem. NVMe dürfte sich besonders in Bereichen wie Medien und Unterhaltung sowie Videoüberwachung durchsetzen.

Hybride Speichermodelle

Cloud Storage bleibt weiterhin wichtig, aber die Cloud-Landschaft verschiebt sich. Steigende Public-Cloud-Kosten und Schwierigkeiten beim Kostenmanagement führen dazu, dass Unternehmen wieder auf ein hybrides Speichermodell umsteigen.

Laut den "Data Storage Predictions for 2020" der Enterprise Strategy Group (ESG) hat mehr als die Hälfte der Unternehmen im Jahr 2019 mindestens einen Workload aus der Public Cloud wieder in die eigene Umgebungen verlagert. "Die lange Zeit vorherrschende Auffassung, dass letztendlich die gesamte IT in der öffentlichen Cloud betrieben wird, beginnt zu verblassen", heißt es dort. Hybride Cloud-Infrastrukturen sind der De-facto-Standard der modernen IT. Und für digitale Unternehmen steigen die Datenmengen on- und off-premises in ähnlicher Größenordnung. Mit anderen Worten: die firmeninterne Infrastruktur wird auf absehbare Zeit ein bedeutender Teil der IT bleiben.

Hyperconverged Storage

Das Wachstum von hybrider Cloud und Software-definierter Infrastruktur führt auch zu einer höheren Nachfrage nach hyperkonvergentem Speicher. Hyperconverged Storage ist ideal für Multi-Cloud-, hybride Cloud- und Software-definierte Speicherumgebungen geeignet und Unternehmen kaufen ihn deshalb in großem Umfang. Nach Angaben von Mordor Intelligence wächst der Markt für hyperkonvergente Storage-Infrastrukturen mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 13 Prozent, die sich bis 2024 fortsetzen soll.

Auch der Trend zum Edge-Computing fördert die Akzeptanz von hyperkonvergentem Speicher. Da hyperconverged Storage einfacher zu verwalten ist als herkömmliche Storage-Arrays, eignen sich hyperkonvergente Appliances sehr gut für Remote-Office- und Einzelhandelseinrichtungen. Viele Unternehmen stellen fest, dass es kostengünstiger ist, einige Speicher- und Verarbeitungsvorgänge am Rand des Netzwerks durchzuführen als alles in die Public Cloud zu übertragen.

Wachsender Speicherbedarf

Jahr für Jahr ein Dauerthema ist der zunehmende Speicherbedarf. Auch 2020 gilt: Beim Speicherbedarf ist kein Ende abzusehen. Datenanalyse, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Blockchain, Robotik und das Internet der Dinge werden das Jahr 2020 prägen - und erhöhen mit ihrem Datenhunger weiter den Bedarf an Speicherkapazitäten. "Ein wachsender Anteil der traditionellen Server- beziehungsweise Speicherausgaben wird heute durch die Arbeitslast im Zusammenhang mit der Einführung dieser neuen Technologien im Backend angetrieben", heißt es bei IDC.

Um Schritt zu halten, brauchen Unternehmen 2020 neue Ansätze, die ihnen helfen, mehr Daten schneller zu speichern und zu verarbeiten. Analysten erwarten, dass Technologien wie In-Memory und Persistent Memory Datenbanken, Data Fabric und Graphen-Datenbanken im kommenden Jahr an Bedeutung gewinnen werden.

Gartner-Analystin Rita Sallam rät, nicht erst auf Trends zu reagieren, wenn diese ausgereift sind, sondern bereits vorher: Durch proaktives Handeln können IT-Manager dazu beitragen, die Datenspeicherung aus einem Bereich, der als Kostenstelle angesehen wird, in einen echten Wettbewerbsvorteil für ihr Unternehmen zu verwandeln.

Storage Class Memory

Eine zentrale Rolle bei der performanteren Datenverarbeitung könnte 2020 und in den nächsten Jahren Storage Class Memory beziehungsweise Persistent Memory einnehmen. Persistent Memory löst mit der Kombination von schnellem DRAM mit NAND-Speicher das Problem der enormen Latenz- und Bandbreitenbelastung, wenn Daten zwischen dem RAM-basierten Speicher und dem plattenbasierten SSD-Speicher hin- und hergeschaufelt werden. Die Technologie ist tausendfach schneller als NAND, bietet also Latenzen im Mikrosekunden-Bereich, nicht in Millisekunden

Intel Optane Persistent Memory kam im Frühjahr letzten Jahres auf den Markt und viele Speicherhersteller stürzten sich auf die Technologie. Intels Optane DC Persistent Memory hält möglichst viele Daten nahe an der CPU und durchbricht die traditionelle Memory-Storage-Hierarchie. Die Kombination von schnellem DRAM mit NAND-Speichern wird den Anwendern die effiziente und sehr schnelle Auswertung von größeren Datenmengen zu günstigen Preisen ermöglichen.

Software-Defined Storage

Ein anderer Dauerbrenner der letzten Jahre - Software-Defined Storage (SDS) - wird sich weiter etablieren. Der Wunsch nach Flexibilität, einfacher Erweiterung und Automation, aber auch nach universellerer Einsetzbarkeit des Personals wird auch die letzten Anwender großer Subsysteme in Richtung von SDS treiben.

Software-Defined Storage wird sich 2020 weiter etablieren.
Software-Defined Storage wird sich 2020 weiter etablieren.
Foto: Fujitsu

SDS-Umgebungen verfügen inzwischen über alle Möglichkeiten, die bisher zum Teil nur den Monolithen vorbehalten waren. Durch geringeren Verwaltungsaufwand lässt sich vor allem der Opex senken. Des Weiteren fallen Migrationspausen völlig weg, was die Verfügbarkeit deutlich steigert. All dies werden im neuen Jahr viele Enterprise-Anwender erkennen und auf SDS schwenken. In der Folge werden wir immer weniger Storage-Monolithen in den Rechenzentren finden.